Last Week Tonight mit John Oliver

In unserem heutigen Artikel geht es um das Wurst Prinzip. Noch nie etwas davon gehört? John Oliver von der Last Week Tonight Show stellte es seinem Publikum Anfang Juni vor: das Wurst Prinzip beinhaltet, wenn du etwas wirklich magst, stell sicher, niemals heraus zu finden, wie es hergestellt wird. Das fand das Publikum schon ziemlich witzig. Doch so richtig gegrölt haben die Zuschauer, als er sagte, dass heute Nacht er Ihnen seine eigene Wurst gern zeigen möchte. Und nein, er zog nicht seine Hose herunter. Es ging stattdessen um ein eher ernstes Thema: die FIFA Weltmeisterschaft 2014, die in Brasilien stattfindet. John Oliver hat sich ungemein darauf gefreut, doch musste zur selben Zeit mit inneren Konflikten kämpfen.

Fußball Weltmeisterschaft Brasilien 2014

Für viele Menschen weltweit ist die Weltmeisterschaft ein unheimlich wichtiges Ereignis. Vor allem in Brasilien ist Fußball zur Religion geworden – und das ist wirklich wörtlich zu nehmen. Denn als David Beckham sich sein neues Tattoo mit dem Ebenbild von Jesus stechen ließ, meinten viele Fußball Fans, dass es eine Ehre für Jesus sei (und nicht für Beckham selbst.)

Bei der ganzen positiven Vorfreude und Aufregung, die die Weltmeisterschaft mit sich bringt, hat John Oliver jedoch ein großes Problem: die WM wird von der FIFA organisiert.

FIFA  – was?

FIFA – Sie kennen sie mit Sicherheit als die (stellen Sie sich hier einen übertriebenen französischen Akzent vor) Fédération Internationale de Football Association. Oder auch als das Fußball Videospiel, welches Sie Zuhause herum liegen haben. Für Amerikaner ist FIFA jedoch eine unheimlich groteske Organisation.

Wie Sie wissen, findet die FIFA Weltmeisterschaft dieses Jahr in Brasilien statt. Brasilianer sind ein begeistertes Volk und mit Sicherheit die größten Fußball Fans der Welt.

Sie müssten völlig von den Socken sein, da sie das Gastgeberland der diesjährigen Weltmeisterschaft sind. Das ist jedoch nur teilweise der Fall. Monatelang gab es Unruhen in den Favelas, Ausschreitungen zwischen Polizei und Anwohnern und etliche Demonstrationen. Doch das macht eigentlich wenig Sinn – Warum sollte Brasilien ein Problem damit haben, Gastgeber der Veranstaltung zu sein, welches es am meisten liebt?

Die brasilianische Regierung hat mehr als 11 Milliarden Dollar investiert, um die Städte auf die WM vorzubereiten. In Manaus wurde ein brandneues Stadium für 27 Millionen Dollar errichtet. Schon mal was von Manaus gehört? Es ist so ländlich gelegen, dass es kaum mit Auto zu erreichen ist. Deswegen mussten viele Materialien für die Konstruktionen per Flussweg eingeschifft werden. Was für eine Geldverschwendung! Vor allem wenn man bedenkt, dass dieses Stadium nur für 4 WM Spiele verwendet wird. Und da keine Fußball Mannschaft in Manaus je darin spielen wird, wird dieses Stadium letztendlich zur größten und teuersten Vogel Toilette mutieren.

Da ist es verständlich, dass Brasilianer so empört sind. Vor allem wenn man bedenkt, was sie im Gegenzug erhalten. Nichts! FIFA verdient sich dumm und dämlich, doch das Land selbst verdient nichts an dem großen Event. John Oliver hatte natürlich eine kleine irrwitzige Veranschaulichung parat: Stellen sie sich Geld als Schambehaarung vor und die FIFA als Wachs. Während der Weltmeisterschaft ist beides gut verteilt, doch wenn die WM vorbei ist –ritsch!- nimmt FIFA das gesamte Geld mit.

FIFA und das liebe Geld

Wie das zu Stande kommt? FIFA hat ungeheure Steuerforderungen an das Gastgeberland: in jeglichen Bereichen fallen Steuern an, sei es die Verbrauchersteuer oder die Einkommenssteuer. Nach Schätzungen zu folge, schuldet Brasilien der FIFA 250 Millionen Dollar an Steuern. Wesley Snipes, ein amerikanischer Schauspieler, der wegen Steuerbetruges zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde, wird sich ärgern, denn die FIFA zeigt ihm deutlich, wie man erfolgreich mit Steuern Geld macht.

Geld macht FIFA ungemein viel, doch auch beim Verabschieden neuer Gesetze ist diese Organisation fleißig dabei. Aber natürlich nur, wenn FIFA dabei selbst profitiert. In 2003 hat die brasilianische Regierung ein neues Gesetz verabschiedet, das den Alkoholverkauf in Stadien verbietet. Der Grund dafür war, die enorme Todesrate unter Fans zu minimieren. Eine lebensrettende Entscheidung! Das Problem bei diesem Gesetz ist, das Budweiser einer der Hauptinvestoren von FIFA ist. Und Budweiser verkauft – raten Sie – Bier. Da war FIFA natürlich erpicht, Budweiser vor dem neuen Gesetz zu schützen, welches ja eigentlich erstellt wurde, um das Leben der Fans zu schützen. FIFA ist dafür extra nach Brasilien geflogen, um folgende Nachricht zu übermitteln: „Es tut uns leid und es mag arrogant klingen, doch dieser Fall wird von uns nicht verhandelt. Es muss und wird im Gesetz verankert werden, dass wir das Recht haben, Bier zu verkaufen.“ All das können wir schlicht und einfach übersetzen mit: Verpissen Sie sich mit Ihren Gesetzen und Ihrer öffentlichen Sicherheit. Und das heftige bei dieser Sache ist, das FIFA gewonnen hat! Sie haben erfolgreich so viel Druck ausgeübt, dass Brasilien in der Tat einen Budweiser Gesetzentwurf erstellte, welches den Bierverkauf in Stadien erlaubt. An dieser Stelle können Sie entweder empört sein, oder heilfroh, dass FIFA nicht zusätzlich von Kettensägen-Unternehmen gesponsert wird.

FIFA und der schlimme Alkohol

Und Brasilien hat ja eigentlich Glück, dass Ihnen nur der Alkohol aufgedrängt wurde. Denn als Südafrika vor 4 Jahren Gastgeber der WM war, schaffte es FIFA, Sondergerichte im Land aufzustellen, die wirklich hart durchgriffen. Als 2 Simbabwer einen ausländischen Journalisten an einem Mittwoch ausraubten, wurden sie am nächsten Tag inhaftiert und begannen ihre 15 Jährige Gefängnisstrafe. 15 Jahre! Diese Entscheidung wurde viel zu schnell getroffen. Wenn Sie beim Chinesen Fast Food bestellen, wundern Sie sich ja auch, wenn es 5 Minuten später geliefert wird.

Erkennen Sie die Ironie, die bei allen Rechtsystemen, die die FIFA aufsetzt, durchscheint? Wenn man sich jegliche Skandale in den letzten Jahren anschaut, sieht man es ganz deutlich. Dave Zirin sagte, Bestechungen und FIFA gehen Hand in Hand, wie Erdnussbutter und Marmelade. Dazu muss gesagt werden, dass Amerikaner Erdnussbutterbrot mit Marmelade lieben. Doch eigentlich müsste man die Beziehung zwischen FIFA und Bestechungen mit einem Erdnussbutterbrot und einem Kind mit einer tödlichen Nussallergie vergleichen. Sie sollten eben nicht Hand in Hand gehen!

Wenn Sie denken, dass das der Höhepunkt des Übels ist, dann haben Sie FIFA´s Besprechungsraum noch nicht gesehen. Angeblich hat FIFA ihn nach Vorbild des Filmes „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ erbauen lassen. Ohje!

FIFA und der Chef

Und trotz alle dem pflegt der Vorsitzender der FIFA, Seep Blatter, das Image einer bescheidenen Nonprofit-Organisation. Gemeinnützig mit einer Milliarde Dollar auf dem Konto? Wie ist das möglich? Es seien Rücklagen, sagt Herr Blatter allen Ernstes. Um Ihnen Seep Blatter vorzustellen: vor kurzem wurde er befragt, wie man Frauenfußball populärer machen könne. Was war seine Antwort? Die Frauen-Teams sollten kürzere Shorts tragen. Super Idee!

Diese „gemeinnützige bescheidene Organisation“ hat vorkurzem 27 Milliarden Dollar ausgegeben, um „United Passions“ zu unterstützen – ein Sportfilm, bei dem die Hauptfiguren nicht die Fußballspieler sind, sondern die Führungskräfte. Das sagt ja schon alles.

Der schlimmste Teil der FIFA ist jedoch nicht einmal dessen Vergangenheit oder aktuelle Vorkommnisse, sondern dessen Zukunft: denn das Gastgeberland der 2022 WM ist jetzt schon festgelegt und der „Gewinner“ ist Katar.

Katar? Es bestehen rund 50 gute Gründe, warum das eine schlechte Entscheidung ist. Im Lande können die Temperaturen bis auf 50 °C steigen – eine sehr schlechte Grundvoraussetzung, um solch ein Event im Freien zu hosten. Die WM wird also in einem Land stattfinden, in dem Fußball spielen physisch nicht machbar ist. Das ist als ob die NFL entscheidet, Super Bowl, das Finale des Amerikanischen Footballs, in einem See stattfinden zu lassen. Nicht nur wegen dem Wetter ist diese Entscheidung eher lachhaft, auch die Arbeitsbedingungen sind nicht für eine WM gemacht: Katar ist ein Sklavenstaat im 21. Jahrhundert. Schätzungsweise werden 4000 Arbeiter vor dem ersten Anstoß in 2022 sterben. Was damit also gesagt wird ist, dass die Weltmeisterschaft in Katar nichts anderes ist, als das tödlichste Bauprojekt seit dem Bau der Pyramiden.

Und das ist einfach das Groteske an FIFA: trotz allen Korruptionen ist die ganze Welt voller Vorfreude auf die Weltmeisterschaft. Es ist schlecht nachzuvollziehen, wie wir so viel Freude aus solch einem Event ziehen, welches von einer Organisation veranstaltet wird, die so viel Schlechtes mit sich bringt und so viel Schaden anrichtet. Dieses groteske Verhalten kann uns jedoch einleuchten, wenn wir uns den Anfang unseres Artikels in Erinnerung holen: Fußball ist eine Religion. Doch nicht nur irgendeine Religion, nein – eine organisierte Religion und FIFA ist dessen Kirche. Eine Religion mit einem todsicheren Führer (Seep Blatter), der Länder dazu bringt, opulente „Kathedralen“ zu erbauen, die sie sich bei weitem nicht leisten können.

Und das Fazit?

Trotz alle dem ist die WM für Millionen von Menschen, eingeschlossen John Oliver und so vielen anderen, der einzige Hoffnungsschimmer, das das Leben doch Sinn macht.

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